Fachkräftemangel in der Hydraulik – Aufbaustudium zum Hydraulik Fachingenieur

Einleitung:

Der Begriff Fachkräftemangel und der vielbesagte „Mangel an hochqualifizierten Ingenieuren und Ingenieurinnen“ geistert immer wieder durch die Presse. Vor allem in Publikationen aus dem Bereich Wirtschaft wird dieser Mangel diskutiert. Bei genauerem Hinsehen teilt sich jedoch der Mangel an Fachkräften in einen quantitativen und einen qualitativen Mangel auf.

In Handwerks- und Pflegeberufen und in Regionen mit schlechter Infrastruktur herrscht ein quantitativer Mangel an Personal. Dieser Mangel scheint jedoch eher eine Folge wenig attraktiver Arbeitsbedingungen zu sein, die durch Verzicht auf Befristung von Arbeitsverträgen und durch leistungsgerechte Löhne verbessert werden können. Wesentlich komplexer stellt sich hingegen die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure und Ingenieurinnen dar.

Zum einen wird von Branchendiensten[i]  ein immenser Mangel prognostiziert, der sich aber bei einer Betrachtung aus Sicht der Arbeitnehmer in Luft auflöst. Eine genauere Analyse zeigt, dass es für Unternehmen zunehmend schwieriger wird, die Stellen mit Ingenieuren zu besetzen, die in der Lage sind, sich auf der Basis einer breit angelegten Ausbildung in kürzester Zeit in die speziellen Anforderungen der Unternehmen einzuarbeiten. [ii] Dabei herrscht vor allem ein Mangel an spezifischen technischen Kenntnissen und Fähigkeiten in der Fahrzeugtechnik sowie im Maschinenbau in den Bereichen Entwicklung, Vertrieb, Einkauf und Produktion. Zusätzlich besteht das Problem darin, dass die Erwartungen an einen stringenten Lebenslauf der Bewerberinnen und Bewerber mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen. So besteht für die Unternehmen die Notwendigkeit, die Mitarbeiter zu motivieren, in ihre eigene Weiterbildung zu investieren und diese Investition dann zu honorieren.

Hier hat die Firma Advanced Training Technologies (ATT) die Initiative ergriffen und bietet eine berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung an. Interessierte Ingenieure und Ingenieurinnen mit entsprechenden Vorkenntnissen können zu Fachingenieuren und -ingenieurinnen der Hydraulik mit speziellem branchentypischem Fachwissen weiterentwickelt werden. Vergleichbar der Ausbildung zum Facharzt/zur Fachärztin oder zum Fachanwalt/zur Fachanwältin wird in einem einjährigen Aufbaustudium das erforderliche Hydraulikwissen vermittelt und die erfolgreiche Teilnahme wird durch ein Zertifikat „Fachingenieur Hydraulik“ dokumentiert.Fachingenieur Hydraulik:

Eine Branche, die im internationalen Wettbewerb erfolgreich agiert, ist die Fluidtechnik. Zum einen sind in Deutschland nicht nur einige der größten Konzerne der Antriebstechnik tätig; auch viele kleine und mittelständische Komponentenhersteller, Anlagenbauer und Servicefirmen arbeiten in Deutschland. Zum anderen ist auch bei fahrenden Arbeitsmaschinen, in Kraftfahrzeugen und in der Luftfahrindustrie ein enormer Bedarf an fluidtechnischem Fachwissen festzustellen.

Dieses notwendige Fachwissen umfasst zunächst das Grundlagenwissen über den Aufbau und die Funktionsweise hydraulischer Anlagen. Vor allem der Aspekt „Energetische Optimierung“ hat sich zu einem zentralen Aspekt bei der Konzeption von Arbeitsprozessen und der Auslegung von Anlagen entwickelt. Hier hängt der Hydraulik immer noch das Image des „schlechten Wirkungsgrades“ an, das aus Zeiten stammt, als Betriebskosten im Vergleich zu den Einstandskosten noch keine Rolle gespielt haben. Heute ist jedoch das Bewusstsein gewachsen, dass CO2-Emissionen und Rohstoffverbrauch entscheidende Kriterien für den Einsatz einer Technologie sind und dass die Fluidtechnik nur dann wettbewerbsfähig ist, wenn qualifizierte Ingenieure und Ingenieurinnen auch in dieser Hinsicht optimierte Anlagen entwerfen können. Anlagen der Antriebstechnik sind heute mechatronische Systeme. Dementsprechend ist die mechatronische Systemauslegung der Schlüssel für den Entwurf von Anlagen. Dies triff vor allem auf Straßenfahrzeuge und fahrende Arbeitsmaschinen zu. Gerade denjenigen Ingenieuren und Ingenieurinnen, die für diese Branchen ausgebildet wurden, fehlt ein fundiertes Wissen in der Fluidtechnik. So muss eine Ausbildung zum Fachingenieur/zur Fachingenieurin Hydraulik auch Mechatronik und das Fach Mobilhydraulik umfassen, damit der Fachingenieur/die Fachingenieurin in Zusammenarbeit mit IT-Fachleuten und Elektronikern sowie Elektronikerinnen die Software und die elektronische Hardware optimal auslegen kann.

Während in den Medien noch über die Zukunft von Industrie 4.0 spekuliert wird, sind in der Antriebstechnik vernetzte mechatronische Systeme längst Stand der Technik. Das volle Potential dieser Systeme lässt sich jedoch erst ausschöpfen, wenn man in der Lage ist, die anfallenden Daten zu analysieren. Ziel dieser Analyse muss es sein, Ressourcen und Emissionen zu minimieren und die Einsatzbereitschaft von Maschinen zu maximieren. Daher ist es ein wesentliches Ziel der Ausbildung, dass die Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen lernen, Betriebsstörungen möglichst frühzeitig zu erkennen und durch Online- und Offline-Analysemethoden die Ursache dafür zu finden und zu beseitigen. Noch besser sind aber Strategien, welche durch geeignete Maßnahmen Betriebsstörungen schon im Vorfeld vermeiden. (Stichwort „Predictive Maintenance“) Diese Strategien lernen die Absolventen und Absolventinnen kennen.

Didaktisches Konzept

Auch wenn wir viel Zeit in der virtuellen Welt verbringen: Wir können Wissen erst anwenden, wenn wir etwas „begreifen“. Wir müssen „hören und verstehen“ und wir haben erst etwas gelernt, wenn wir das „Gelernte“ anderen „erklären“ können. Vor allem der soziale Kontakt zwischen Mitschülern und Dozenten ist wichtig, um den „Wert“ des Wissens zu erkennen und für das Studium „im stillen Kämmerlein“ motiviert zu sein. Reines E-Learning trägt den kognitiven Fähigkeiten der Menschen nicht genügend Rechnung und daher kann nur die Kombination aller Lernmethoden ein optimales Ergebnis liefern. „Blended Learning“ hat die höchste Effizienz!

Abb.: Vergleich verschiedener didaktischer Konzepte

Das Wissen für den Fachingenieur Hydraulik wird in 5 Unterrichtseinheiten vermittelt:

  • Grundlagen
  • Konstruktion und energetische Optimierung
  • Mechatronik
  • Mobilhydraulik
  • Instandhaltungsstrategien und systematische Störungsanalyse

Jedes dieser Module besteht aus fünf Arbeitstagen Präsenzveranstaltung in einer Kombination aus Vorlesungen, Übungen und Versuchen am Prüfstand. Anschließend wird der Stoff in 24 Lerneinheiten im Selbststudium vertieft. Diese Lerneinheiten kombinieren Skripte für das Selbststudium mit klassischen Übungen, E-Learning Einheiten und einem interaktiven Teleteaching. Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer lernen sich währende der Kurse persönlich kennen und können Lerngruppen bilden. Während der Präsenzphase besteht ein enger Kontakt mit den Dozenten und Dozentinnen, der auch in der Phase des Selbststudiums während der Teletraining-Einheiten bestehen bleibt.

Praktische Berufserfahrung ist eine Voraussetzung für eine Teilnahme an den Kursen und der Teilnehmer/die Teilnehmerin kann in einer schriftlichen Abschlussarbeit zeigen, dass er oder sie das neu erworbene Wissen auch in der Praxis anwenden kann. Ein Zeugnis und ein Zertifikat „Fachingenieur Hydraulik“ dokumentieren für den Arbeitgeber, dass Wissen erfolgreich erworben wurde, und geben der Absolventin/dem Absolventen auf dem Arbeitsmarkt ein Alleinstellungsmerkmal.

Interessentenkreis

Das Interesse der Industrie an gut ausgebildeten Fachleuten, welche schon nach kurzer Einarbeitung selbstständig in Projektteams mitarbeiten können, ist offensichtlich. Doch es besteht auch ein gesellschaftliches Interesse an einer berufsbegleitenden Fortbildung. Deutschland kann nur dann seinen Lebensstandard aufrechterhalten, wenn es sein Knowhow weiterentwickelt, um Industriestandort zu bleiben. Es sollte uns bewusst sein, dass viele Länder auf Deutschland schauen, um zu erkennen, wie wir den notwendigen Wandel unserer Produktionsweise gestalten. ATT hat gute Beziehungen in das Ausland und wird zusammen mit Partnern – vor allem in China das – Ausbildungskonzept für den „Fachingenieur Hydraulik“ weitergeben. Das heißt, ATT unterstützt die Firmen der Branche Fluidtechnik auch bei der Internationalisierung ihrer Geschäfte, da diese so in der Lage sind, ihre Mitarbeiter im Ausland zu qualifizieren.

Das Lehrangebot wendet sich daher primär an Techniker und Technikerinnen sowie Ingenieure und Ingenieurinnen, die sich beruflich weiterentwickeln wollen. Die Kombination aus Präsenzveranstaltung und Selbststudium ermöglicht es den Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern, berufliche und private Anforderungen mit der Belastung durch die Weiterbildung in Einklang zu bringen. Diese Zusatzqualifikation wird immer wichtiger, da die Abbrecherquoten in den klassischen Ingenieursfächern steigen. [iii] Über die Gründe kann man spekulieren, aber eine Ursache ist, dass sich bei Absolventen weiterführender Schulen Lücken in primären Fähigkeiten wie Abstraktionsvermögen, Sprachbeherrschung und Mathematik zeigen. Im Studium der sogenannten MINT-Fächer wirken sich diese Mängel in den ersten Semestern fatal aus. Die Studentinnen und Studenten weichen auf andere Fächer aus. Erst im Laufe des Berufslebens entwickelt sich dann die Motivation, auch unter großen Anstrengungen, vorhandene Lücken zu schließen, und sich berufsbegleitend das notwendige Wissen zu erarbeiten.

Deutschland ist weiterhin ein attraktiver Arbeitsmarkt für potenzielle Zuwanderinnen und Zuwan-derer aus anderen Ländern. Trotz gegenteiliger Beteuerungen aus der Politik bestehen für Bewerber recht hohe Hürden beim Zugang zum Arbeitsmarkt. Zwar sollten im Verlauf des Bologna-Prozesses europaweite Bildungsabschlüsse vergleichbar werden, tatsächlich existieren jedoch noch immer er-hebliche Differenzen in den Inhalten zwischen deutschen Abschlüssen und anderen internationalen Abschlüssen. Hier kann eine Weiterbildung zum Fachingenieur in zweifacher Hinsicht hilfreich sein. Zum einen kann ein Bewerber oder eine Bewerberin durch den Erwerb des Zertifikates „Fach-ingenieur Hydraulik“ nachweisen, dass er oder sie das Fachwissen hat und auch über die notwendige Sprachkompetenz verfügt. Zum anderen ist zu hoffen, dass es für den zukünftigen Ingenieur und die zukünftige Ingenieurin mit einer solchen Zusatzqualifikation möglich ist, Lücken in seiner oder ihrer Ausbildung zu schließen und dass damit der Ausbildungsabschluss, den er oder sie im Ausland erwor-ben hat, auch formal anerkannt wird.  

Platzhalter für Das Redaktionsteam „Hydraulik Fachingenieur“ (Studenten der FH Iserlohn)

Zusammenfassung und Ausblick

Die Firma ATT hat sich den Anforderungen der Zukunft gestellt und einen Ausbildungsgang zum Fach-ingenieur Hydraulik konzipiert. Dieser Ausbildungsgang vermittelt Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie Technikerinnen und Technikern aus der Branche über ihre bisherigen praktischen Kenntnisse hinaus auch das theoretische Fachwissen, um komplexe Antriebe auszulegen und Anlagen der Fertigungstechnik, fahrende Arbeitsmaschine oder Fahrzeuge zu entwickeln, zu fertigen oder zu betreiben.

Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt dabei in der Vermittlung von Wissen zur Entwicklung nach-haltiger und ressourcenschonender Antriebe und darin, die Absolventinnen und Absolventen zu befähigen, alle Informationen, welche die Digitaltechnik heute schon bereitstellt, zu nutzen. Für die Vermittlung dieses Wissens werden modernste didaktische Methoden des „Blended Learnings“ genutzt, damit die Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen sowohl die Anforderungen des Arbeitgebers als auch die Anforderungen der Familie mit den Belastungen durch die berufsbegleitende Weiter-bildung in Einklang bringen können.

Neben den Betrieben, die an motivierten und qualifizierten Mitarbeitern interessiert sind, besteht auch ein großes gesellschaftliches Interesse an der Weiterbildung. Eine nachhaltige Produktionsweise kann nur realisiert werden, wenn qualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure dafür auch die notwen-digen Techniken entwickeln. Daneben müssen wir uns auch der Tatsache stellen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und wir müssen den Ankömmlingen die Chance auf qualifizierte Arbeitsstellen eröffnen.

Unter diesen Voraussetzungen wäre es zu begrüßen, wenn das Angebot der Firma ATT großen Anklang findet.

[i] Fachkräftemangel Der Fachkräftemangel ist ein Mythos

von Kristin Schmidt; aus Wirtschaftswoche vom November 2017

„Das Forschungsinstitut Prognos etwa errechnete im August, dass bis 2030 drei Millionen Arbeitskräfte fehlen werden. Und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt in seinem MINT-Report über den Arbeitsmarkt für Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker zu dem Schluss, dass aktuell 237.500 dieser Fachkräfte fehlen.“

[ii] Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt | März 2019 Ingenieurinnen und Ingenieure veröffentlicht unter

https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berufe/generische-Publikationen/Broschuere-Ingenieure.pdf

[iii] Ulrich Heublein/Julia Ebert/Christopher Hutzsch/Sören Isleib/Richard König/Johanna Richter/Andreas Woisch ; Zwischen Studienerwartungen und Studienwirklichkeit ; Ursachen des Studienabbruchs, beruflicher Verbleib der Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher und Entwicklung der Studienabbruchquote an deutschen Hochschulen;  Forum Hochschule 1 | 2017 Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung aus  https://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201701.pdf

Haben Sie noch eine Frage zum Thema?