Defizite in der hydraulischen Aus- und Weiterbildung – Ein Fachbeitrag von Robin Trompetter

Neu im Schulungsprogramm
Zertifizierte Hydraulikservicetechniker (TÜV®/ATT)

Hersteller von Anlagen mit hydraulischem Antrieb kennen das Problem: Eine Anlage wird beim Kunden ausgeliefert und nach einigen Jahren stellt sich ein Verschleiß ein oder die Produkte, die auf der Maschine gefertigt werden, haben sich geändert und damit auch die Belastung der Anlage. Die Instandhalter beginnen Maßnahmen einzuleiten um den Hydraulikantrieb wieder „stabil“ zu bekommen. Es werden Maximaldrücke, Drosseleinstellungen, Stickstoffvorspannungen und Ansteuerungssignale geändert, Komponenten getauscht oder gar zusätzliche Komponenten verbaut. Nachdem in der Regel nun nur die Fehlerbilder aber nicht die Fehlerursache behoben wurde, wird der Hersteller der Anlage zu Rate gezogen, beziehungsweise mit einer „total instabilen Anlage, die macht was sie will“ konfrontiert. „Was habt ihr uns denn da geliefert?“ ist dann meistens eine klassische Aussage.

In der Elektrotechnik ist es völlig normal, dass nur ausgebildete Elektrofachkräfte an elektrischen Schaltungen arbeiten. In der Hydraulik ist das nicht so. Jeder der eine technische Ausbildung, wie in der DGUV 209-070; Abschnitt 1.2 beschrieben ist, absolviert hat darf Instandhaltungsmaßnahmen an Hydraulikanlagen durchführen. Sehen wir uns nun die Ausbildungsrahmenpläne an, dann müssen wir feststellen, dass in der Ausbildung der Anteil der Hydraulik verschwindend gering ist, bzw. teilweise nur theoretisch gelehrt wird. Bedenken wir, dass die Technologie Hydraulik eine der führenden Technologien bei der Energieübertragung mit einer enormen Leistungsdichte ist, und damit vermehrt in der Schwerindustrie zum Einsatz kommt, dann ist es umso erschreckender, dass es keine einheitliche Qualifizierungsgrundlage zu diesem Thema gibt.

Seit mehr als 20 Jahren führen wir Schulungen zu diesem Thema mit bis zu 3500 Teilnehmern pro Jahr durch. Leider müssen wir in den letzten Jahren feststellen, dass das Eingangsniveau der Teilnehmer immer geringer wird. Dies führt langfristig zu einem Problem, welches die gesamte Branche betrifft und die Branche nachhaltig schwächt.

In Kooperation mit dem TÜV Thüringen, haben wir eine qualitativ hochwertige, herstellerunabhängige und mit den neusten Lernmethoden angereicherte Qualifizierung ins Leben gerufen, um dem Fachkräftemangel der Hydraulikbranche den Kampf anzusagen. Das Ziel dieser praxisorientierten Qualifizierung ist es die Anlagenverfügbarkeit der Maschinen mit hydraulischem Antrieb zu optimieren, die Qualität zu steigern und die Sicherheit zu erhöhen.

Um regional diese Qualifizierung allen zugänglich zu machen und mehr als 40 Termine Deutschlandweit anbieten zu können haben wir uns mit Herstellern und Händlern der Hydraulikbranche zusammengeschlossen und gehen damit einen großen Schritt für die gesamte Branche um eine einheitliche Qualität zu Gewährleisten.

Robin Trompetter: Ich höre nur noch Smart oder Predictive Maintenance, Industrie 4.0, Internet of Things und ich sehe große Chancen und tolle Ansätze bei vielen Anwendungen, aber wer die Basis nicht beherrscht brauch sich um Industrie 4.0 keine Gedanken machen.

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